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Zur Geschichte der Orgeln in der Pfarrkiche
Bau
und Einweihung der neuen Orgel in der Altstadt- Pfarrkirche „Maria in
vinea“ Die
oben aufgeworfene Frage nach früheren Orgeln in der Altstadtkirche zu
beantworten, soweit es die noch vorhandenen Archivalien ermöglichen,
ist Aufgabe dieses Aufsatzes.
Die
Hoffnung, sich dabei auf bereits vorhandene Untersuchungen und Arbeiten stützen
zu können, erfüllte sich nicht; denn die Monographie des früheren
Pfarrers der Altstadt- Gemeinde L.Hagemann[1]
über seine Kirche enthält keine entsprechen- den Hinweise. Ebenso trägt
die Kölner Dissertation von H. Böhringer[2]
wenig Erhellendes bei, da die betreffenden Archive (Archiv der Altstadt-
Pfarrei, Stadtarchiv Warburg, Archiv des Erzbischöfl. Gen.Vik.Paderborn)
offenbar zu der damaligen Zeit (1950) nicht immer zugänglich waren oder
nicht systematisch durchforscht werden konnten.
Das
Archiv der Altstadt- Pfarrei verfügt nicht, wie sich herausgestellt hat,
über Archivalien,
die für die zeitlichen Bereiche des Mittelalters und der beginnenden Neu-
zeit hins. der Fragestellung Aufschluss geben könnten, so dass nur das
Archiv der Stadt Warburg in
der Lage ist, weiterzuhelfen und Licht in das Dunkel zu bringen,
Diese Annahme hat schon darin eine gewisse Berechtigung, dass der
Bischof Rembert von Paderborn der Stadt Warburg am 28.Okt.1559 das
Patronatsrecht über die Pfarrei der Altstadt verliehen hat.[3]
Aber
auch ohne diese obrigkeitliche Ermächtigung fühlte sich der Rat der
Stadt
für
beide Kirchen und auch für deren Orgeln verantwortlich; denn bereits vor
1559 findet sich im Kämmereiregister (KR) des Jahres 1541 eine Notiz,
die besagt, dass nach altem Brauch die Stadtbediensteten an den 4
Festtagen des Jahres vom Bürgermeister eingeladen wurden, mit ihm „zu
speisen“. Zu diesen Personen gehörten
auch „2 organisten“.
[4]
Dass einer dieser beiden Organisten in der Altstadtkirche tätig war, darf
man sicherlich annehmen.
Eine
Bestätigung für diese Vermutung findet
sich im KR des Jahres 1570; denn man hat für eine Reparatur an der
„orgelen der altenstaidt“ 11 Schilling bezahlt.[5] Der
nächste Hinweis ergibt sich erst etwa ein Jahrhundert später. Anlässlich
der Visitation (1654
- 1656) des Bischofs Theodor Adolph von der Reck wird bei der Aufzählung
der Benefizien der Altstadtkirche festgehalten, dass die Einkünfte des
Benefiziums der hl.Catharina der Orgel zugute kommen.(„beneficium s.
Catharinae applicatum organo veteris oppidi“)
[6]
Für
wenige Jahrzehnte „schweigt“ dann das Stadtarchiv, erst 1671 notiert
der Stadt- kämmerer eine Ausgabe für eine „Reparierung“ der
Orgel.“[7] Über
die Beschaffenheit (Prospekt, Größe und Registerzahl) der Werke lassen
sich, da konkrete Angaben gänzlich
fehlen, im Rahmen der damaligen Gegebenheiten nur Vermutungen äußern: 8
– 10 Register, ohne Pedal, aus akustischen Gründen vermutlich im
hinteren Mittelschiff aufgebaut.
1711
hat der Rat der Stadt den Orgelbauer Johannes Brache[8]
aus Willebadessen die Orgel prüfen lassen, mit ihm aber trotz seiner
Bitten keinen Vertrag geschlossen. Wie notwendig aber eine Reparatur
gewesen wäre, zeigte sich bereits
im Jahre 1715; denn in dem Vertrag, den der Rat mit dem Orgelbauer Tobias
Scheiffer aus Langen- salza abzuschließen sich gezwungen sah, heißt es
über den Zustand der Orgel: „Demnach das altenstedter organum wie stad
kündig ganz und gar ohnbrauchbar gemacht und der gottesdienst deshalb
nicht versehen werden kann“. Es wird vereinbart, „ das er die blaßbelge
in guhten dann auch die Orgelpfeifen zum vorigen Thon und guter renonanz
redigiren ferfertigen wolle...... alles renovieren ausputzen und
dergestalt perfectiren wolle damit es wie neu und wohl gemacht und ein
capables subjectum seine kunst darauf exerciren könne.“
[9] Außer
der obigen Zustandsbeschreibung werden keine Angaben über die Orgel
ge-macht, wenn man davon absieht, daß 2 neue Blasebälge gebaut werden mußten,
denen der Orgelbauer einen dritten auf eigene Kosten zufügte.
Erst
um die Mitte des 18. Jhdts hat die Stadt dafür gesorgt, daß die Orgeln
beider
In
den folgenden Jahrzehnten verzeichnet das KR verschiedene kleinere
Arbeiten an der Orgel der Altstadt- Pfarrei, bis man sich, vermutlich
aufgrund des desolaten Zustandes des Werkes, entschließen musste, einen
Neubau in Auftrag zu geben. Bereits
1833[13]
wurde die vorhandene Orgel abgebrochen. 1834 ließ man „die Stühle der
Orgelbühne“ wegräumen. (Diese „Stühle“ waren an Mitglieder der Kirchengemeinde vermietet.) 1837 wurde„die Orgelbühne befestigt.“
Am 9. Juni 1837 erteilte der Rat dem Orgelbauer Kuhlmann aus Gottsbüren
den Auftrag für einen Neubau. Das Werk kostete 200 Rthr und wurde in zwei
Raten 1839 und 1840
[14]
bezahlt. Über
diese Orgel ist außer den Quittungen des Orgelbauers nur noch eine Zeichnung des Prospektes, der Schauseite, im Stadtarchiv erhalten, die –
charakteristisch für die Orgelbauerfamilie Heeren/ Kuhlmann- im
klassizistischen Stil der Zeit gestaltet ist, sichtbar vor allem an zwei
Vasen neben dem Hauptturm. Sollte die Zeichnung exakt sein - ein Maßstab
ist nicht verzeichnet-, dann hatte diese Orgel 2 Manuale, aber kein Pedal,
höchstens ein angehängtes, ohne eigene Register. Die Frontseite zeigt über
einem geschlossenen Unterbau, in den der Spielschrank in der Mitte eingefügt
ist, einen hohen, nach nach vorn leicht gerundeten Mittelturm, der oben
flach schließt, flankiert von zwei ebenfalls leicht gerundeten, etwa 1/3
niedrigeren Seiten- türmen. Die Schleierbretter im oberen Drittel aller
drei Türme haben die Form des Kielbogens („Eselsrücken“). Die Räume
zwischen Seiten- und Mittelturm sind von kleinen Flachfeldern aus
Pfeifenreihen ausgefüllt, auf denen über halbkreisartig gebildeten
Ornamenten die beiden schon genannten Vasen stehen.
Diese
Orgel ist, so Böhringer,[15]
1870 (die unten zitierte Inschrift weist eine andere Zahl auf) repariert
und vergrößert worden, auf Kosten R. Fischers aus Paris. Im Prospekt
stand 1950/51 folgende Inschrift: „Piis D. Philippi Fischer
Parisiensis donis restauratum, amplificatum ornatumque est hoc organum A.D.
1874“. Außer dem Hinweis
auf den „sehr schlechten Zustand heute“ und die Art der Windladen
(„Schleifladen“) macht er -leider- keine weiteren Angaben. Die
Differenz der beiden Zahlen konnte bisher nicht geklärt werden.
Nach
Jahrhunderten der Unsicherheit ist es zu diesem Zeitpunkt erstmals möglich,
den Standort der Orgel festzulegen; in der Pfarrchronik heißt es: Pfr.
Josef Klein- schmidt ( (Pfr. der Altstadt von 1871 – 1892 ) „verlegte
die Orgelbühne in den Kirch- turm“.
[16]
In
den folgenden Jahren hat man, so scheint es, die Orgel sich selbst überlassen.
Das führte dazu, daß 1894 der Orgelbauer Franz Jacob Eul aus Lippstadt
gebeten
Die
Orgel wird abgetragen, gereinigt, repariert und im Dezember 1894 wieder
aufge- baut.
Im
Oktober 1900 reicht der Orgelbauer Stegerhoff aus Paderborn „
Disposition und Kostenanschlag: Verbeßerung der Orgel mit 18 St.“ ein.[18]
Er empfiehlt, um den „im allgemeinen dunklen öden Ton der
...Grundregister dieses Manuals < des ersten> zu verstärken und zu
beleben“, entsprechend dem Geschmack der Zeit eine „neue Gambe mit kräftigem
Strich“ einzubauen, dazu ein neues selbstständiges 2. Manual.
Auf dieses Angebot ist man, aus welchen Gründen auch immer, nicht
eingegan- gen.
1905
entschloß man sich, die klanglichen Möglichkeiten der Orgel deutlicher
auf den damals herrschenden Zeitgeschmack auszurichten, dem man durch die
Wahl be- stimmter
Orgelregister gerecht zu werden versuchte. Das ergibt sich aus dem Ko-
stenanschlag des Orgelbauers Döhre aus Steinheim. Er schlug vor,
bestimmte Re- gister durch zeittypische zu ersetzen, z. B. Gedackt 8‘
durch Vox coelestis 8‘, ein damals sehr beliebtes „Säuselregister“,
das Cornett 4 f. durch Gambe 8‘. Lt. Beleg vom 25. August 1906 wurden
die geplanten Veränderungen vorgenommen.
[19] Obwohl
der Orgelbauer Döhre 1905 festgestellt hatte, daß die Windladen (Schleifla-
fladen) „gut und dauerhaft gearbeitet“ seien, muß sich der Zustand
der Orgel, ver-
mutlich
infolge mangelnder Pflege, so
sehr verschlechtert haben, daß Domorganist Hebestreit aus Paderborn auf
Bitten des Pfarrers am 12.1.1954 diese Orgel einer Prüfung unterzog mit
dem Ergebnis: „Die Orgel ist technisch und klanglich eine völlige Ruine
und des so schönen, alten Gotteshauses ganz unwürdig.“
[20]
Er empfiehlt einen Neubau, zu dem am 6.3.1954 der Orgelbauer Feith
aus Paderborn auf die Aufforderung der Kirchengemeinde hin einen
Kostenanschlag einreicht. Aus
finanziellen Gründen muß man sich beschränken auf eine erste Baustufe:
16 Register, verteilt auf 2 Manuale und Pedal. 1.Manual: 5 Register; 2.
Manual: 7; Pedal: 4. Der Spieltisch wird sofort für die gesamte geplante
Orgel von 32 Registern gebaut und aufgestellt. Kosten der 1. Stufe:
25160.00 DM
Diese
Orgel stand als Freipfeifenorgel auf der Empore im Turm.[21] Vor
der Restaurierung der Kirche wurde sie ausgelagert und 1975 mit einer
erweiterten Disposition (23 Register, wie bisher auf 2 Manuale und Pedal
verteilt ) in einem neugotischen Gehäuse (aus Hallenberg übernommen) vor
der hinteren Wand des nördlichen Seitenschiffes wieder aufgebaut.
RKM
J. Kraemer (Borgentreich) wurde vor wenigen Jahren als Sachverständiger
gebeten, dieses Werk wegen des
beklagenswerten Zustandes zu prüfen. Das Ergebnis legte er in einem
Gutachten vom 30.6.96 vor. Der innere Aufbau des Werkes harmoniere nicht
mit dem Gehäuse. Die Qualität der Register und der Intonation seien völlig
unzulänglich, „ so dass die Orgel klanglich insgesamt diesen hässlichen,
abstoßenden, brutalen, in der Geschichte des Orgelbaus keinerlei
Stilistik zuzuordnenden Eindruck hinterlässt“. (Gutachten S. 4) Ein
Neubau wird dringend empfohlen; als Standort wird die Empore im Turm
vorgeschlagen.
Der
Verfasser dankt ganz herzlich Hern Fr. J. Dubbi, dem Leiter des
Stadtarchivs
[1]
Hagemann, L., Geschichte und Beschreibung der beiden katholischen
Pfarreine in Warburg
Paderborn 1903/04
[2]
Böhringer, H., Untersuchungen zum Orgelbau im Hochstift Paderborn,
Diss. Köln 1951, Ms. S. 19
[3]
Stadtarchiv Warburg (StAW) U 490 [4]
StAW Coll. Rosenmeyer VII 2, 1460/1680 [5]
StAW Kämmereiregister (KR) 1570 I [6]
Archiv d. Erzb. Gen. Vik. Paderborn 384 blau [7]
StAW KR 1671 I [8]
StAW KR E 9031 [9]
StAW Pro. Cam. 1715/17 [10]
Belege für Bornemann und Isvording im KR der betreffenden Jahre [11]
Aumüller,G., Johann Jacob John, die Gebrüder Reinecke und ihre
Beziehungen zum Orgelbau in
Westfalen und Waldeck
Westf. Zeitschr. 145. Bd., Paderborn 1955, Sonderdruck
S. 125 [12]
Aumüller a.a.O S. 126 [13]
Belege für dieses Datum und für die folgenden Angaben StAW
D 1869- Kirche der
Altstadt [14]
Quittungen Kuhlmanns: StAW Act.
6888 Auszug a.d. KR 1804/1851 [15]
Böhringer a.a.O. S. 19 [16]
Pfarrarchiv Warburg/Altstadt (PfAW –A ) Geschichte der Pfarrei
Warburg- Altstadt, o.J. Ms. verschiedener
Autoren [17]
PfAW- A, Akt. Band 5, S. 65 ff. [18]
PfAW- A, Akt. Band 5, S. 73 ff. [19]
PfAW- A, Akt. Band
5, S. 82 ff. [20]
Arch. D. Gen. Vik. Paderborn P 1730/54 [21]
Diese und alle weiteren Daten sind dem Gutachten des RKM J.Kraemer
(Borgentreich) entnommen. |